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06.12.2004: Reutlinger Stadtverkehrsgesellschaft (RSV) nimmt "Maxi Train" in Betrieb - Vorreiterrolle in Baden-WT

Als erstes ÖPNV-Unternehmen in Baden-Württemberg stellt die RSV wieder einen Personenanhängerzug im Linienverkehr in Dienst. Der Reutlinger "Maxi Train" kann im gesamten Liniennetz eingesetzt werden, um eine optimierte Auslastung der Fahrgastkapazitäten zu erreichen. "Der RSV ist es jetzt möglich, Verkehrsspitzen ideal abzufedern. Das Unternehmen ist sehr stolz in Sachen Personenanhängerzug die Vorreiterrolle in Baden-Württemberg übernehmen zu können", äußerte sich der Kaufmännische Geschäftsführer der RSV, Heiko Suter.

Der "Maxi Train" ist ein Solobus mit zusätzlich ankuppelbarem Personenanhänger. Hergestellt hat den Personenanhängerzug die Karosserie- und Fahrzeugbaufabrik Göppel in Augsburg. Als Zugfahrzeug dient ein speziell umgerüsteter MAN Niederflurbus (Typ NL 313). Die Gesamtzuglänge beträgt rund 23 Meter, wobei 12 Meter auf das Zugfahrzeug und 11 Meter auf den Anhänger mit Deichsel entfallen. Per Kamera kann der Fahrer das Geschehen im Anhänger einsehen. Die Fahrgäste im Anhänger können mit einer Gegensprecheinrichtung Kontakt mit dem Fahrer aufnehmen.

Mit dem Verbot von Personenanhängern hinter Kraftomnibussen vom 01. Juli 1960 schien das Ende der Hängerzüge auf bundesdeutschen Straßen gekommen zu sein. Bis zu diesem Zeitpunkt waren Personenanhängerzüge durchaus verbreitet im Straßenbild. In der ehemaligen DDR waren die Hängerzüge bis zur Wiedervereinigung erlaubt. Die 1990 dann deutschlandweit gültige Straßenverkehrszulassungsordnung sorgte dafür, dass auch im Osten keine Hängerzüge mehr betrieben werden durften. In der Schweiz ist die Personenbeförderung in Anhängern seit jeher erlaubt, wovon bis heute auch rege Gebrauch gemacht wird.


Auch die Fa. Hogenmüller & Kull hatte vor 1960 einige Personenanhängerzüge auf den Linien in Reutlingen und der Region im Einsatz. Schon damals waren die Fahrzeuge technisch auf dem neuesten Stand und immer unfallfrei unterwegs.

Aber warum erlebt der Personenanhängerzug im neuen Jahrtausend eine Renaissance? Der Technische Geschäftsführer der RSV, Mark Hogenmüller, nennt hierfür unterschiedliche Gründe: "Zum einen der Kostendruck, zum anderen der höhere Fahrkomfort für die Fahrgäste." Für die RSV bringt der neue "Maxi Train" die folgenden Vorteile:

- In den Hauptverkehrszeiten zwischen 6:00 und 8:00 Uhr bietet der "Maxi Train" den Fahrgästen noch mehr Sitz- und Stehplätze als ein Gelenkomnibus.
- In der Schwachlastzeit, insbesondere in den Abendstunden, kann die Linie nur mit dem Zugfahrzeug bedient werden, dessen Kapazität dann vollkommen ausreichend ist.
- Durch die nachfrageangepassten Einsatzmöglichkeiten können Betriebskosten und insbesondere Kraftstoff eingespart werden.

Möglich macht diese alte Idee in neuem Gewand eine Ausnahmegenehmigung des Regierungspräsidiums für die RSV. Darüber hinaus wird das Land Baden-Württemberg im Rahmen des 2. Innovationsprogramms die Anschaffung des Personenanhängers mit 50% fördern.

Die Kosten für den "Maxi Train" belaufen sich insgesamt auf rund 400.000,- Euro.

Bundesweit ist die RSV das 3. ÖPNV-Unternehmen, das einen Personenanhängerzug in dieser Größe im Einsatz hat. Gestützt auf die positiven Erfahrungen der brandenburgischen Firma Fritz Behrendt OHG in Kloster Lehnin und die Wolfsburger Verkehrs GmbH geht die RSV davon aus, dass der "Maxi Train" bei den Fahrgästen in der Region Reutlingen schnell Akzeptanz finden wird. Zahlreiche Tests bei den ÖPNV-Kollegen bescheinigen ein in jeder Hinsicht praxistaugliches und technisch einwandfreies Verhalten der Personenanhängerzüge.



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